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Doppelte Haushaltsführung

Eine doppelte Haushaltsführung liegt nach § 9 Abs. 1 Satz 3 Nr. 5 Satz 2 EStG vor, wenn der Arbeitnehmer außerhalb des Ortes, in dem er einen eigenen Hausstand unterhält, beschäftigt ist und auch am Beschäftigungsort wohnt.

Die Frage bei der doppelten Haushaltsführung ist, ob ein eigener Hausstand im Heimatort besteht und wer die Kosten dafür trägt. Ein eigener Hausstand besteht auch dann, wenn der Steuerpflichtige im Haus der Eltern wohnt. Hierfür muss er aber sowohl finanziell als auch durch seine persönliche Mitwirkung maßgeblich an der Haushaltsführung beteiligt sein. Dieser ist nicht begründet, wenn der Arbeitnehmer nur einmalig hohe Kosten übernimmt (FG Rheinland-Pfalz, Urteil vom 14.02.2012 – 3 K 2338/09)

Das Vorlegen einer steuerlich anerkannten doppelten Haushaltsführung wird von der Finanzverwaltung oftmals bestritten. Meist ist der größte Streitpunkt ein eigener Hausstand am Wohnort. In dem folgenden Dokument werden zwei wichtige Urteile zur doppelten Haushaltsführung besprochen.

Doppelte Haushaltsführung bei Alleinstehenden

Verlagerung des Lebensmittelpunkts an den Beschäftigungsort:
Die steuerliche Geltendmachung von Kosten für eine doppelte Haushaltsführung setzt u.a. voraus, dass der Lebensmittelpunkt am bisherigen Wohnsitz verbleibt. Dies ist insbesondere bei alleinstehenden Steuerpflichtigen oft schwierig festzustellen. Wo sich bei nicht verheirateten Arbeitnehmern der Mittelpunkt des Lebensinteresses und demnach der „Haupthausstand“ einer doppelten Haushaltsführung befindet, bedarf einer sorgfältigen Prüfung und Gesamtwürdigung der Umstände des Einzelfalls. Dabei kann folgendes bedeutsam sein:

  • Wie oft und wie lange sich der Arbeitnehmer in der einen und der anderen Wohnung aufhält (dies kann der Arbeitnehmer durch ggf. Zeugenaussagen belegen)
  • Wie beide Wohnungen ausgestattet und wie groß diese sind
  • Wo sich Bezugspersonen des Arbeitnehmers überwiegend aufhalten
  • Zu welchem Wohnort die engeren persönlichen Beziehungen bestehen
  • Welche Dauer das Arbeitsverhältnis bzw. der Aufenthalt am Ort der ersten Tätigkeitsstätte hat
  • Wie groß die Entfernung zwischen beiden Wohnungen ist
  • Wie viele Heimfahrten durchgeführt werden

Bei nicht verheirateten Arbeitnehmern spricht – je länger die Beschäftigung dauert- vieles dafür, dass sich der Mittelpunkt der Lebensinteressen am Ort der ersten Tätigkeitsstätte befindet und die weitere zur Verfügung stehende Wohnung lediglich für Besuchs- bzw. Ferienzwecke vorgehalten wird; in solchen Fällen ist eine besondere Prüfung, ob der Lebensmittelpunkt gewechselt hat und damit die doppelte Haushaltsführung beendet ist, erforderlich.
Das Finanzgericht München hat hierzu mit Urteil vom 27.11.2014 (Aktenzeichen 15 K 1981/12) ausgeführt, dass die Größe der Wohnung am Beschäftigungsort im Vergleich zur Größe der Wohnung am bisherigen Wohnort nur ein wesentliches Indiz für die Verlagerung des Lebensmittelpunkts darstellt und widerlegbar ist. Weiterhin wurde entschieden, dass es zu einer Verlagerung des Lebensmittelpunkts an den Beschäftigungsort nur kommt, wenn sich die Zahl der Heimfahrten über mehrere Jahre hinweg verringert und daraus geschlossen werden kann, dass sich der Lebensmittelpunkt an den Beschäftigungsort verlagert hat. Bei einer Berufsanfängerin mit wöchentlichen Heimfahrten deute hierauf nichts hin.

Die Zweitwohnung kann vom Beschäftigungsort weiter entfernt sein, als wie vom Wohnort

Der BFH hat mit Urteil vom 26.06.2014 Aktenzeichen VI R 59/13 entschieden, dass bei einer doppelten Haushalsführung die Zweitwohnung vom Beschäftigungsort weiter entfernt sein kann, als wie vom Wohnort.

Im entschiedenen Fall war die Zweitwohnung 83 km von dem Arbeitsort entfernt, aber nur 47 km vom Familienwohnsitz. Allerdings hat der BFH hervorgehoben, dass es wichtige Gründe bei einer solchen Konstellation für die Zweitwohnung geben muss.
So z. B. deutliche Zeitersparnis für den Weg zwischen Zweitwohnung und Arbeitsstätte, oder die Standortwahl hat weitere berufliche maßgebliche Gründe, die eine Rolle spielen. (z. B. Forschungseinrichtung, Bibliothek)

Neues zur doppelten Haushaltsführung

Das Finanzgericht Münster hat vor kurzem entschieden, dass Arbeitnehmern wegen einer aus beruflichen Anlass begründeten doppelten Haushaltsführung der Werbungskostenabzug der Zweitwohnung nicht versagt werden kann, wenn sich die Zweitwohnung nicht näher zum Beschäftigungsort befindet, sich der Arbeitnehmer aber auf Grund z. B. von verkehrsgünstigeren Anbindungen eine deutliche Zeitersparnis auf den Weg zur Arbeit hat.